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Was oder Wie?

In der Fachliteratur ist es einfach:
- Frauengrab = Spinnwirtel
- Männergrab = Schwertperle.

Auch wenn ich weiß, das man mit diesen Perlen spinnen kann, wie kommt es dazu?
Walter Veek schrieb 1932
"In dem Friedhof von Deißlingen fanden sich eine große Anzahl von Spinnwirteln, einige aus Ton (Taf. T II, 9. 11), andere aus Glas (Taf. T II, 1—3. 6. 7) oder aus Halbedelstein (Taf. T II, 5. 10). Die Tonspinnwirtel haben kegelförmige Gestalt, die aus Glas in der Regel die Gestalt einer abgeflachten Kugel. Die Farbe der letzteren ist grün mit weißen Schlieren. Nur der Glaswirtel Taf. T II, 7 ist wie der Kristallwirtel Taf. T 11, 5 fazettiert, der Achatwirtel Taf. TII, 10 ist eine glatt geschliffene, mäßig starke Scheibe.

Das wir es hier wirklich mit Spinnwirteln zu tun haben, ergibt sich aus dem Grabungsbefund. Sämtliche Stücke stammen aus Frauengräbern, sie lagen alle ohne Ausnahme entweder im Schoß oder zwischen den Oberschenkeln der Bestatteten. (Anmerkung: Leider beachtet er nicht die Sitte Gürtelgehänge. Vielleicht waren Gürtelgehänge hier auch nicht die Mode )

Über eine andere Verwendung dieser großen Perlen, und zwar als Knäufe für lange zweischneidige Schwerter (Spaten) wird in anderem Zusammenhang zu reden sein (s. S. 78).

Hierzu die Tage mehr
(Stand: 27.09.2023)

Schwertperlen

W. VBeek schreibt
"In dem Grabe, zu dem die Spatha Taf. 68 A, 2 gehört, fand man eine große wirtelförmige Bernsteinperle, in dem Grabe mit der Spatha 68 A, 3 eine große facettierte Kristallperle, in dem mit der Spatha Taf. K, 7 eine große blaue Glasperle, in einem Grabe von Flonheim, das gleichfalls eine Spatha, die unseren Prachtstücken ähnlich ist, enthielt153), wiederum eine große Bernsteinperle. Lindenschmit, der diese Gräber teilweise schon einmal veröffentlicht hat, glaubt aus dem Vorkommen dieser Perlen neben anderem schließen zu können, daß es sich bei allen diesen Gräbern um Doppelgräber handele, in denen Mann und Frau nebeneinander bestattet gewesen seien. Unsachverständige Ausgräber hätten aber das Vorhandensein zweier Bestatteter übersehen und die Beigaben vermischt154). — Ich kann ihm da nicht zustimmen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß das ungeübte Laienauge am ehesten noch das Vorhandensein zweier Skelette in einem Grabe erkennt. Das ist bei den vielen Ausgrabungen, bei denen ich war, den Leuten immer aufgefallen. — Aber diese Perlen gehören uch gar nicht zur Ausstattung einer Frau, sondern zu der Waffe des Mannes, zur Spatha, sie bildeten früher den Knauf. Auch mir war ihr Zweck bis vor kurzem nicht klar, aber seitdem ich im Berliner Museum für Völkerkunde eine aus Südrußland stammende prächtige Spatha sah, welche als Knauf noch eine große Achatperle trägt, da wußte ich, was es mit den Perlen unserer Gräber für eine Bewandtnis habe. Sie bildeten jeweilig den Knauf der Spatha. Nicht immer war allerdings bei diesen Prunkschwertern der Griff so gebildet. In einem Grabe von Rüdern, in dem auch die Prachtschnalle Taf. 48 B, 6 gefunden wurde, lag eine Spatha, von der nur noch Reste erhalten sind, mit einem Knauf, der mit Goldblech umkleidet war Taf. 28 A, 7. Dieses Goldblech, eine Hülse, die den Griff auch oben umschloß, ist quergerieft und in Abständen außerdem mit eingepreßten Zickzackbändern geziert." (S. 78)

PS: es ist mir noch nicht gelungen die Fußnoten zu deuten.
153) A. H. V. IV Taf. 66, 1, 1 a u. b.
154) A. H. V. V S. 50

Fazit
W. Veek schließt aus einem Spatha-Knauf, der nicht dieser Region und Zeitstellung entspricht, dass es sich bei diesen großen Perlen um Sax- oder Schwertknäufe gehandelt hat.
Ich zweifle an, dass große Glasperlen geeignet sind einen Waffenknauf aus Metall - zum ausbalancieren der Waffe ! - ersetzen können.
Meines Erachtens sind diese Perlen zierende Elemente, eventuell mit einer persönlichen Amulettfunktion des Träges oder eine Standesauszeichnung, wie es auch für die so genannten Ringschwerter skandinavischer Herkunft (Vendelzeit, 550 - 800 n. Chr.) angenommen wird.

Literatur / Quellen

Veeck, Walter. Die Alamannen in Württemberg. Band I & II der Germanischen Denkmäler der Völkerwanderungszeit. 1932


@ Torben Barthelmie, 2003 - 2023