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Ich habe heute etwas interessantes entdeckt:
http://www.medieval-baltic.us/vikbuckle.html

Funde

Gürtel mit Befestigungen aus Metall
Da Metall, im Gegensatz zu textilen oder ledernen Überbleibseln, in den archäologischen Berichten -vor allem in den Entdeckungen des 19. Jahrhunderts-, mehr berücksichtig wurde, ist es am einfachsten die Problemstellung mit Funden mit Schnallen oder Riemenende zu betrachten.

Gürtel mit Metallbefestigungen in Frauengräbern

England
• In Grab 0sk27 in Cumwhitton, Cumbria (Nord-West England), datiert auf das 10. Jhr., wurde 2004 (neben zahlreichen Glasperlen und einem Jadearmreif, Anm. des Übersetzers). Eine Gürtelgarnitur entdeckt. (http://thehumanjourney.net/html_pages/mi…ial/indepth.htm , Stand 28.04.2011, 03.05.2016)
Simpson (2009) führt das Grab als „männlich/weiblich” auf. Die Schnalle war auf „Seelöwenfell“ befestigt und der Fund wird derzeit eher als ein Kleidungsstück, denn als Gürtel, beschrieben. (Watson, 2009-10). Ohne weitere Informationen kann dies nicht beurteilt werden. Der Gürtel und die Fellreste wurden von Watson fotografiert (2009-10).
(Anm. des Übersetzers: eine Gewand aus Seehundlöwenfell mit einem Schließenverschluss.. oh oooh....)

Hebrides (Innere und Äußere)

• Ein Frauengrab auf Bhaltos (ehemals Valtos), Uig, Isle of Lewis (Gordon, 1990), enthielt einen Schnallenrahmen mit einer mit Knoten verzierten Platte (Grieg, 1940, Macleod, 1915). Sie ist 35 x 15 mm groß Die Gesamtlänge beträgt 50mm. (siehe Abb.)


• Eine kleine bronzene Schieße ist im Borre-Stil verziert und wurde bei einem Frauengrab bei Cruach Mor, Islay, gefunden. Sie ist 25 mm lang und 1.2 mm(!) breit. (Gordon, 1990, Abb. S. dort)

(unbenannt)Bhaltos (ehemals Valtos), Uig, Isle of


Mc Leod 195

• Eine Bestattung auf der Insel Cnip headland ehemals: Kneep), Isle of Lewis, datiert auf das 10te Jhr. Hier wurde eine bronzene Schnalle mit passender Riemenzunge gefunden. Die Gürtelteile waren mit mehreren Metallbuckeln verziert. Sie fanden sich links auf der Unterseite des Brustkorbs. (Welander et al., 1987; Gordon, 1990). An der Schnalle und Riemenzunge hafteten Lederreste an. Die Schnalle bestand aus einen gegossenen Ring, die Zunge war drum herum gebogen. Die Schnallenplatte und der Riemenzungenbeschlag wurden je aus einem Stück gefertigt. (Welander et al., 1987).
Die Schnalle war 117mm lang, 16mm breit und 12mm stark. Die Riemenzunge war 93mm lang, 14mm breit und ebenfalls 12mm dick.
Bilder finden sich hier http://nms.scran.ac.uk/database/record.p…0-100-082-978-C
(Stand 28.04.2011, 02.05.2016)
(Anm. d. Übersetzers: das Grab enthielt ein paar Schalenspangen)

Isle of Kneep


Quelle: http://nms.scran.ac.uk/database/record.php?usi=000-100-082-978-C

Island
• Ein Grab bei Daðastaðir enthielt eine GürtelSchnalle, die mit zwei Tierköpfen verziert war. Sie ist 15 mm lang and 25 mm breit. (Hayeur-Smith, 2003a).

• Ein Riemenendee, ähnlich dem von Cnip, wurde in Kroppur, Eyjafjarðarsýsla, (Hayeur-Smith, 2003b) gefunden. Zwischen der Ober- und Unterplatte fanden sich Reste von Leder. (Hayeur-Smith, 2003a).

• Anmerkung: Es gibt weitere eiserne Gürtelschnallen in den Frauengräbern von Island, aber sie werden mit der Zaumgarnitur von Pferden in Verbindung gebracht. (Pétursdóttir, 2007).

Isle of Man
Eine Bestattung bei Peel, St Patrick's Isle, enthielt einen bronzene Schnalle mit passendem Riemenende (Freke and Allison, 2002). Dieses, Grab IV, beinhaltete nicht die stereotypischen Grabbeigaben, es wurde jedoch Intuitiv als weibich eingeordnet. Die Schnalle fand sich auf der Hüfte, das Riemenend zwischen den Knien. “Nahe bei, aber da runter”, der Schnalle fanden sich Lederfragmente die anscheinend zu einer am Gürtel befestigten Tasche oder Beutel gehörten. Die Schnalle war 50mm lang und das Riemenende 42mm. Eine Abbildung findet sich in Freke and Allison (2002).

Norwegen

Es gibt eine Schnalle aus einem Grab aus 9. Jhr. bei dem Handelszentrum Kaupang. Bei dieser Schnalle handelt es sich wahrscheinlich um einen keltischen Import (Blindheim, 1976.) Die mag auf dem regen Handelskontakten beruhen (Hayeur Smith, 2003b). Eine Abbildung findet sich bei Blindheim (1976), Fi. 23.

Russland

• Eine Brandbestattung findet sich in Timerevo, ausserhalb von Yaroslavl. Hier wurde ein jugendliches Mädchen mit einem Riemenzungenende, einer Schnalle und einer Ringfibel beerdigt. Es gibt keine paarigen Ovalspangen (Duczko, 2004; 195). Duczko beschreibt dieses Grab als skandnavisch und datiert es auf das 9. bis. 10. Jhr. , (ibid. 191-3).

• Eine 16-18jährige Frau wurde in einem für das 10.-11. Jhr. charackteristischem Kammerbrab bei Kiev mit einer bronzenen GürtelSchnalle (Ivakin, 2004-5), aber ohne Ovalspangen bestattet. In einer Rekonstruktionszeichnung ist an diesem Gürtel eine Tasche befestigt (ibid.) Dieses Grab zeigt wie wichtig das Wissen über die Lage und die Veränderung der Lage der Fundstücke ist. Eine Halskette beinhaltete zwei magyarische silberne Gürtelbeschläge, die eine Aufhängevorrichtung hatten.

Schottland

• Reay, Caithness (Gordon, 1990), hier wurde das Grab einer Frau aus dem 10. Jhr. entdeckt. (National Museums Scotland http://nms.scran.ac.uk/database/record.p…&searchdb=scran, Stand 28.04.2011, 02.05.2016). Zum Inventar zähle eine kleine, zinnüberzogene, Bronzeschnalle. Diese war mit einer Metallplatte auf einem Ledernen Gürtel befestigt (Curle, 1914).

Reay, Caithness


Quelle: National Museum of Scotland

• Nördlich von Caithness, liegen die Orkney Inseln und Westness auf der Insel Rousay. Der Fund stammt aus dem 1963 und datiert auf da 9. Jhr. (Graham-Campbell and Batey, 1998). Die Frau starb bei der Geburt, das Neugeborene lag neben hier. Neben einem paar Ovalspangen, Glasperlen und anderen Grabbeigaben wurde sie auch mit zwei angelsächsischen Riemenenden beerdigt (Batey; SCRAN).
http://nms.scran.ac.uk/database/record.p…&searchdb=scran (Stand 28.04.2011, 02.05.2016).
Anm. d. Übersetzers: zu den Grabbeigaben zählt auch ein WEBSCHWERT aus EISEN .

Westness, Rousay, Orkney


Quelle: National Museums of Scotland

Schweden

• Riemenenden wurden in mehren Frauengräber gefunden , (Welander et al., 1987 quoting Geijer, 1979; 221), allerdings wurden sie als Anhänger interpretiert. (Ericsson and Carlsson, 2001). Ein Beispiel einer solchen Riemenzunge findet sich in Bj 838 (Jansson, 1986).

• Ein weiteres Beispiel ist die Gürtelgarnitur von Dragonbacken, Gran Parisk, Uppland (Bratt, I 2001 45, 48; Bratt, II 2001, 57).

Birka, Brandgrab Bj 456, identifiziert als Frauenbestattung (Mälarstedt, 1986), beinhaltete eine Gürtelschnalle, aber keine Ovalspangen.
(Eine Replik gibt es bei Birka Traders zu kaufen (Stand 02.05.2016). Ich sage das nicht aus kommerziellen zwecken, sonder weil es etwas ungewöhnliches ist.)

• Von dem Bestattungsplatz Alsike hage, datiert 900-950 n. Chr. enthielt Grab L45 eine Schnalle und ein Riemenende (Höglund, 2008; 25-6). Das Riemenende war wesentlich breiter als die Schnalle und versilbert, so das die beiden Stücke ursprünglich nicht zusammen gehörten (Höglund, 2008; 26). Die Schnalle war 2,5cm breit und 0,5cm stark. Das Riemenende war 5,6cm x 2,5cm und 0,5cm hoch. (ibid. and Mittelalter-Forum, 2010).

Gotland
• Archäologen bei Fröjel auf Gotland haben anscheinend auch Schnallen in Frauengräbern entdeckt, auch wenn die Berichte nur sehr knapp sind. Ein Report von 1999 (Excavations Report 1) erwähnt ein Frauenskelett “ausgerüstset mit einem Messer und einer Gürtelschnalle, einer Perlenkette und eine Münze von König Ethelred aus England, ca. 1000 n. Chr. „

In 2001 wurde eine Frauengrab, 8. – 9. Jhr., entdeckt. Zu den Beigaben zählten zwei tierkopfförmige Spangen und “zwei Messer, die von einem Gürtel hingen, neben anderen Dingen." (Dahlström). (Anm. des Übersetzers: leider wurde kein Ort genannt, sonst hätte ich das gerne mal mit den Angaben von L. Thunmark- Nylen verglichen.)

Indirekte Hinweise auf Gürtel

Gürteltaschen
• Gürteltaschen wurden anscheinend von Frauen getragen, die mit "seiðr" oder „Wikingerschamanismus“ in Verbindung stehen. (Price, 2004). Informationen über diese religiöse Praxis findet sich in mittelalterlichen isländischen Texten und der Archäologie. (Anm… da hätte ich ja gerne mal Infos zu gehabt...)

• Eine Bestattung (10. Jhr.) aus Fyrkat, Dänemark, einer volva (Wikka, Hexe, Weissagerin). Man fand Wilsenkkrautsamen nahe der Hüfte in einer Art, als wären sie in einer Tasche aufbewahrt worden. Die Tasche ist vergangen.

• Die Königin wurde mit einer Tasche gefunden, die Kanabissamen enthielt. Es ist aber nicht sicher ob sie am Körper oder einem Gürtel getragen wurde (Vindheim, 2002).

• Eine mittelalterliche Quelle für eine Gürteltasche ist die Saga von Erik dem Roten. Thorbjorg die Prophetin soll einen weichen Gürtel mit einer Tasche aus Haut getragen haben. Dies ist nach eigener Übersetzung in Bezug auf Cleasby and Vigfusson, 1874). (Hon hafði um sik hnjóskulinda, ok var þar á skjóðupungr mikill...) (Gordon and Tayler, 1956) begründet

Replik Birka Grab 456


Bildquelle: Autor

Abnutzung von Textilien

• Ein wollenes Fragment aus dem Hafen von Haithabe wurde als Teil eines Schürzenkleides interpretiert, etwa 15cm von der oberen Kante war das Textil abgenutzt (Hägg, 1984). I. Hägg geht davon aus das hier etwas dauerhaft gegen den Stoff schürfte, sie folgerte das dies ein Gürtel war. (Hägg, 1984).

Gürtel, aus benachbarten Kulturen

Benachbarte Völker der Wikinger sollen auch Gürtel getragen haben. Die Mehrheit hatte aber keine Gürtelggarnitur, und Reste sind nur aufgrund von Gegenständen aus Metall erhalten (Lehtosalo-Hilander, 1984).

• In der Vendel und frühen Wikingerzheit, die Franken im Süden, männlich und weiblich, trugen Gürtel mit Schliessen. Im Gegensatz zu den Schliessen die hier besprochen wurden hatten diese immer eine passende Ober und Unterplatte, z.B. hier: In the Vendel and early Viking-age periods, the Franks to the south, both male and female, wore belts with buckles. Unlike the buckles discussed here, they also came with a counterplate that matched the buckle plate. Zum Beispiel http://www.metmuseum.org/toah/ho/06/euwc/ho_17.193.161.htm (Stand 28.04.2011, nicht mehr online: 03.05.2016)

• Die Frauen der Angelsachsen im 5. bis 6. Jhr. scheinen oft einen Gürtel getragen zu haben, auch wenn es kaum Schnallen gab (Owen-Crocker, 2004). Im 7. bis 9. Jhr. wurden die Schnallen noch seltener, aber die Riemenzungen waren weiterhin vertreten, entweder auf Leder- oder Textilien. Im 10. und 11. Jhr. sind keine Arten von Gürteln mehr auf Abbildungen zu erkennen und in den christlichen Bestattungen wurden die Toten nicht mehr in ihrer Sonntagskleidung bestattet (Jesch, 1991).

• Im 10-11 Jhr. Skjoldehamn Moorfund, wahrscheinlich saamischer Abstammung, glaubt man das die Frau einen Gürtel aus geflochtener oder gewobener Wollte um ihr Hüfte trug (Hügel, 2002, Gjessing, 1938).

• Frauen der Liven, im heutigen Lettland und Estonia, sollen Gürtel aus Sprang getragen haben. Beispiele finden sich in den 11. Jahrhundert Friedfhöfen Ikšķiles Zariņu und Salaspils Laukskola (Зарцня, 1985; Žeiere, 2005; Latvijas Nacionālais Vēstures muzejs).

• In Eura, Finnland, (11. Jhr.) Grab 56 fand sich ein Brettchengewebe. Auf Höhe der Hüfte getragen und mit Bronzespiralen verziert, geht man davon aus das es ein Schürzenkleid umfasste. An der Hüfte fand sich dazu noch ein Messer. (Lehtosalo-Hilander, 1984). Der Gürtel war etwa 15cm breit und wurde zweimal um die Hüfte gewickelt. (ibid.). Gürtelzubehör wurde nie in finnischen Frauengräbern gefunden. (ibid.).

Woraus können Gürtel bestanden haben?
• Die zwei Hauptmaterialien sind Leder und Wolle.
• Die Schnalle von Cnipp und das Gürtelende von Kroppur hatten Reste von Leder anheftend (Welander et al., 1987; Hayeur Smith, 2003a).
• Techniken mit Wolle, z.B. Sprang (Zeiere, 2005), Brettchengewebe (Lehtosalo-Hilander, 1984), and Geflechte. (Gjessing, 1938).“

So, auch wenn für mich nicht alles schlüssig ist, so finden sich doch vereinzelte Frauengräber skandnavischem Ursprungs mit Schnallen und Riemenende, sogar kombiniert mit Ovalspangen. Hat noch jemand weitere Funde?

Literatur I
Bibliographie

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• Žeiere, I. 2005. "Archaeological Evidence of Ancient Liv Costume in Latvia" in Sari Mantyla [ed.] Rituals and Relations (Helsinki: Academia Scientarum Fennica)


Zum Schluss: weitere Funde:

Jüngere Eisenzeit (550-800 n. Chr.) auf Bornholm:
- Mollebakken 2, Gudhjem Ksp. NM C32-43, Typ: Ringschnalle ohne Schilddorn (Beispiel s. KLindt-Jensen 1957 F. 60:8)
- Losgard 339, Osterlars Ksp. NM C5681-85, Typ: hohe Schnalle ohne Schilddorn vom gotländsdischen Typ (Orsnes 6)
- Melstedt 5, Gudhjem und Osterlars Ksp. NM C2935 Typ: hohe Schnalle ohne Schilddorn vom gotländsdischen Typ (Orsnes 6)
- Melstedt 8, Gudhjem und Osterlars Ksp. NM C2943-52 Typ: hohe Schnalle ohne Schilddorn vom gotländsdischen Typ (Orsnes 6)
- Lillevang b2, Gudhjem Ksp . NM C 6820--25; Typ: hohe Schnalle ohne Schilddorn vom gotländsdischen Typ (Orsnes 6)
(Quelle: Hoilund NIelssen, K.: Zur Chronologie der Jüngeren Germanischen Eisenzeit auf Bornholm)

@ Torben Barthelmie, 2003 - 2016