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Irland, Trachtnalden & Glasverzierung

Der Anstoß zur Recherche

In einem Forum der SCA gab es eine runde „zeigt her eure Wikinger-Gewandung“ und ich sah zum ersten Mal eine mit Trachtnadeln mit Glasperle aus Kopf" - für die Wikinger?

Da ich mich seit 1998/99 mit Glasperlen auseinander setze, war ich skeptisch, dass dies ein skandinavische Fund ist. Ich fragte nach und die Antwort war kurz „hey wirsind Teil der SCA und die Nadeln sind hiberno-norse“.

Ah ja. Hiberno-Norse sind a, auf die ich im folgenden näher eingehe, da meine Recherche begann.
Zum ersten eine Trachtnadel aus Movilla Abbey (Mag Bile), Irland.

Movilla Abbey wurde von Finnian, einem Mitglied der Königsdynastie von Ulster, gegründet. Finnian starb im Jahr 579 n. Chr. (A.U.) oder 580 n. Chr. (A.I.). Im Jahr 825 n. Chr. wurde Movilla Abbey von den Wikingern niedergebrannt. Um das Jahr 910 wurde Movilla Abbey mit Bangor Abbey zusammengelegt.
Hier fand sich tatsächlich eine Glas verarbeitende Werkstatt in frühchristlichem (400-800. n. Chr.) Zusammenhang, auch eine eiserne Trachtnadel mit Glaskopf.

Movilla Abbey

J. Henderson schrieb „Nadelköpfe aus Bronze sind aus irischen frühchristlichen Kontexten nicht ungewöhnlich (1) ; es ist jedoch schwierig, vergleichbare Beispiele mit einem Glaskopf zu finden, der eine komplexe Dekoration trägt. Die Verwendung von Glasdekoration auf einem Trachtnadelkopf reicht bis in die römische Zeit auf den britischen Inseln zurück. (2)

Eine bronzene Nadel mit einem Glaskopf, der eine eingelegte spiralförmige Verzierung und einen Glaskragen über dem Kopf trägt, stammt von Drumillar Rocks, Co. Down (3), kürzlich von Alcock (4) besprochen. (weitere Recherche s. weiter unten)

Abbildung: Trachtnadel Movilla Abbey -

Gruppen von ineinandergreifenden Spiralen unter den eher zufälligen opak-gelben Spuren auf dem Movilla-Nadelkopf finden ihre beste Parallele in der späteisenzeitlichen belgischen Tradition der Welwyn-Spielsteine (5), den möglicherweise späteren "Spielsteinen" aus Mochrum Loch, Wigtownshire (6), die eingelegte Spiralen aufweisen, und der Armreifdekoration des ersten bis zweiten Jahrhunderts von Kilbride-Jones Typ 3 (7).

Dies scheint also die Übernahme von romanisierten Elementen auf die Movilla-Nadel darzustellen. Das Glasobjekt aus Dundern, Perthsire (8) bietet eine zeitgenössischere Parallele für die Dekoration, und der Movilla-Fund weist darauf hin, dass er für die Dekoration eines Nadelkopfes verwendet worden sein könnte. Dies wird von Alcock als eine Möglichkeit erwähnt (9). Ein frühchristlicher Glasperlentyp aus Antrim in der Sammlung Beck (10) hat applizierte Buckel, die mit opakweißen, ineinandergreifenden Bögen verziert sind, und liefert einen weiteren Beleg für die Verwendung dieser dekorativen Technik zu dieser Zeit. (Recherche erfolglos)

Das Objekt aus Movilla Abbey stammt aus dem Graben 177 und ist frühchristlich. Der Nadelschaft ist gebrochen und den Abschluss bildet eine Glaskugel, die mit einem Absatz als Kragen um die Basis verziert ist. Der Körper des Nadelkopfes scheint aus einer Mischung aus opakem grünem und transluzent hellgelbem Glas zu bestehen. Opak-gelbe Glasspuren ziehen sich über die Oberfläche der Perle und machen einige der durchscheinenden Bereiche undurchsichtig. Auf der Oberfläche des Kopfes befinden sich außerdem drei "Augen", die aus kreisförmigen, weißen Glasflächen bestehen, deren äußere Ränder von einer einzelnen dünnen Spur aus opakem gelbem Glas begrenzt werden. Ein weiteres Merkmal des Dekors sind zehn ringförmige, weiße Bereiche mit Schlieren aus gelbem Glas, von denen drei ineinandergreifende Bögen als Dekor enthalten, eine mit drei und zwei mit zwei Bögen. Die verbleibenden weißen kreisförmigen Bereiche sind in einer unregelmäßigen Weise dekoriert, wobei gelbe Spuren vom Rest des Kopfes über ihre Oberflächen laufen. Zumindest die Bereiche, die ineinandergreifende Bögen aufweisen, wurden wahrscheinlich aus einem Stab in dünne Scheiben geschnitten.

Der Korpus ist an mehreren Stellen gerissen, wobei vier der Risse von einem Eisenvorsprung ausgehen, der sich an einer Seite des Scheitels des Nadelkopfes befindet. Ein Röntgenbild zeigt, dass es sich bei dem Eisenvorsprung um eine Verlängerung des oberen Teils des Nadelschaftes durch den Nadelkopf handelt. Ein weiteres Indiz für diese Konstruktionsform sind rostfarbene Ausstülpungen, die in den Rissen des Nadelkopfes und an deren Oberflächen sichtbar sind. Es scheint sogar möglich, dass die unterschiedlichen Ausdehnungskoeffizienten von Glas und Eisen die Risse während der anfänglichen Abkühlung erzeugt haben.

Die Technik der Nadelkopfkonstruktion war wahrscheinlich wie folgt:
1. Die Positionierung einer geschmolzenen Kugel aus opakem türkisgrünem Glas um den Eisenvorsprung des Nadelschaftes und die vorläufige Formgebung;
2. die Verwendung eines Glasfadens, der um die Basis der Kugel und über die Spitze des Nadelschaftes gewickelt wurde, um einen Glaskragen und ein zusätzliches Mittel zur Sicherung der Kugel zu schaffen;
3. das Ziehen von opakem gelbem Glas um den GlasNadelkopf in einer relativ zufälligen Weise.
4. Einsetzen von Scheiben aus opakem Glas (von denen einige mit ineinandergreifenden Bögen verziert waren) in den bearbeitbaren GlasNadelkopf, der wieder erwärmt worden war. Einige dieser eingefügten Scheiben unterbrechen die nachgezogene Dekoration von Stufe 3. Dieser Prozess erforderte wahrscheinlich die Verwendung einer Form, um die Form des Nadelkopfes zu regulieren und die Scheiben in die Oberfläche zu versenken. Möglicherweise ist dabei das Glas gesprungen.

Abbildung 177: Frühchristlich. L = 2,6 cm; B. des Kopfes 0,95 cm; Breite des Nadelschaftes 0,3 cm.

Fußnoten
1) For a discussion of Irish bronze pins see Armstrong, E. C. R. 'Irish bronze pins of the Christian period', Archaeologia 72 (1921-2), 71
2) See for example Brodribb, A. C. C, Hands, A. R. and Walker, D. R. Excavations at Shakenoak Farm, Part II, sites B and H, (privately printed) fig. 45, no. 69
3) Armstrong, op. cit., 74 and fig. 2.8.
4) Alcock, L. 'Three decorated objects from Dundern, St Fillans, Perthshi
5) Harden, D. B. 'Report on the gaming pieces' 14-16 in Stead, I. M. 'A La Tene III burial at Welwyn Garden City, Archaeologica 101 (1967), 1-62
6) Illustriert in Stevenson, R. B. K.: Native Bangles and Roman Glass, Proc. Soc. Antiquity Scot. 68, 1954, Fig. 1.5
7)There are marvered roundels on the armlet surface, such as illustrated in Stevenson op. cit. (note 6) Fig. 1.12. The classification was devised by Kilbride Jones, H. E. 'Glass armlets in Britain´, Proc. Soc. Antiq. Scot 72 (1938), 366-395
8) Alcock, op. Cit. 347 and fig. 5.3
9) Alcock, L.: 'Three decorated objects from Dundern, St Fillans, Perthshire', The Antiquaries Journal 60 (1980), 344-347; bzw. siehe Proc SocAntiq Scot, 119 (1989), 189-226, fiche 2:A2-3: Ell
10) Cambridge University Museum no. 47, 1877. Beck no. 1320"

Abbildung: Spielsteine von Welwyn Garden - Quelle: https://www.researchgate.net/figure/Glass-gaming-pieces-British-Museum-196702-0254-AN00788394-Photograph-CTrustees-of-the_fig3_292151587

Drummiller Rocks

"Eine Trachtnadel mit einem besonders kunstvollen Glaskopf wurde auch bei Drummiller Rocks, Dromore, Co. Down, gefunden (Armstrong 1921-1922, 80). Der Kopf der Nadel ist mit nicht eingeschmolzenen spiralförmigen Buckeln aus durchscheinend blauem und opak weißem Reticella-Glas verziert (siehe Abb. 82). Die spiralförmigenBückel ähneln dem dekorativen Motiv, das auf einigen Perlen der Klasse 5 zu sehen ist." (Mannion, M.)

Deer Park Farms

Mammion: "In einigen Fällen wurde die Perle nicht an der Nadel befestigt, sondern das Glas wurde auf dem Kopf der Nadel angebracht. Ein Beispiel für diese Praxis ist von Deer Park Farms bekannt (Lynn und McDowell 2011, 332 und 339)."

Eine Recherche online zu der Trachtnadel von Deer Park Farms blieb ganz ohne Ergebnis.

M. Mannion (das Buch steht noch auf meiner Einkaufsliste) nannte jedoch den Fund von H. Hencken veröffentlichten Fund von Lagore Crannog, und jstor sei Dank:

Lagore Crannog

„Eine weitere Art, Glasperlen zu verwenden, war als Schmuck auf Bronze- und Eisennadeln des frühen Mittelalters, und viele Beispiele sind im NMI erhalten (Armstrong 1921-1922, 75). Eine Bronzenadel mit einer am Ring befestigten Glasperle der Klasse 16 ist aus den alten Funden von Lagore bekannt (Hencken 1950, 72, Abb. 14), und ein ähnliches Exemplar, wahrscheinlich aus dem siebten bis achten Jahrhundert, stammt aus Moynagh Lough, Co." (Mannion, M.)

Ich konnte bei H. Hencken nach lesen, das die Perle blau und die Enden des Rings zoomorphisch waren.
Die Recherche zu Armststron war erfolglos.

Abbildung: Trachtnade Lagore Crannog - Quelle: (Bild: Hencken, H. Fig. 14, A)

Monay Lough

M. Mannion nannte einen Fund aus Moynagh. J. Bradley schrieb hierzu: Nichts.
Ich habe den Artikel jetzt dreimal gelesen und kann die Angabe von M. Mannion nicht bestätigen.

Fazit

Für die Trachtnadeln mit festem Glaskopf gibt es keinen Bezug zu den Wikingern. Diese Stücke gibt es nur in irischem Kontext.

Die Ringkopfnadel mit Glasperle kann (meinerseits) als hiberno-norse interpretiert werden, durch die Ringnadel selbst und der Benachbarung von Lagore Crannog zu den Skandinaviern in Dublin.

Literatur

Die Texte liegen nur im englischen Original vor, Übersetzung: ich

Bradley, John: Excavations at Moynagh Lough, County Meath; The Journal of the Royal Society of Antiquaries of Ireland; Vol. 121 (1991), pp. 5-26

Hencken, Hugh; Price, Liam; Start, Laura E. : Lagore Crannog: An Irish Royal Residence of the 7th to 10th Centuries A.D.; roceedings of the Royal Irish Academy: Archaeology, Culture, History, Literature; Vol. 53, 1950/1951

Henderson, Julian: The Glass; in: Ivens, Richard: Movilla Abbey, Newtownards, County Down: Excavations 1981, Institute of Irish Studies, Queen's University, Belfast; Ulster Joumral of Archaeology, Vol. 47, 1984. S. 98 - 102
Mannion, Margarete: An examination of glass beads from early medieval Ireland; 2015

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