Die Lt D2 ist mehr als "perlenarm". Die derzeitigen Primärquellen (die sich vorrangig mit den Glasarmringen auseinandersetzen; Gebhardts Ausgrabungen in Manching habe ich nicht mit einbezogen, wäre aber sicherlich noch interessant) weisen diese sehr deutliche Fundarmut aus:
Maciej Karwoski hat den latènezeitlichen Glasringschmuck aus Oberösterreich (ISBN 3-7001-3285-9) behandelt. Glasringschmuck taucht für die Lt D1 nur noch vereinzelt auf. Leider wird nicht näher auf "einfache Perlentypen" eingegangen. Gesamt lässt sich hier das Bild erkennen, dass es sich nur um vereinzelte Ringperlen und andere einfache Perlen handelt. Einfache Perlen sind kugel- oder scheibenförmige bzw. runde Perlen, die i.d.R. einen Durchmesser von weniger 1 cm haben.
Heiko Wagner widmete seine Aufmerksamkeit dem "Glasschmuck der Mittel- und Spätlatènezeit am Oberrhein". Wagner kartiert nur noch eine Werkstatt für Ringperlen (Villenue-St.-Germain), wo kleine einfarbige Ringperlen von unregelmäßiger Form hergestellt worden sind. "In Gräbern am Titelberg (Lamadeleine) und anderswo treten noch vereinzelt Ringperlen auf." Lt. Katalog sind dies am Titelberg die Fragmente - einer klaren Ringperle (5 cm, Lochdurchmesser 7-8 mm) - Fragmente zweier klaren Ringperle mit gelber Folie - einer klaren Ringperle mit gelber Bänderung - einfarbigen blaue Ringperle - einer blauen Ringperle mit weißen Bändern - einer Ringperle mit Netzgitter - einer purpurfarbene Ringperle mit Netzgitter in 2 Farben - einer blauen genoppten Perle
Und letztendlich das Standardwerk von Maria Zepezauer, nach/mit den Unterlagen von Th. E. Havernick: "Glasperlen der vorrömischen Eisenzeit III, Mittel- und Spätlatènezeitliche Perlen". M. Zepezauer schreibt zu dieser Zeitstellung (S. 97) "In Lt D2-zeitlichen Zusammenhängen sind nur Perlen und Ringperlen aus braunem und blauem Glas bekannt geworden" und sie schließt sogleich Fehlzuordnungen durch vermischte Inventare aus.
Um es leider noch deutlicher zu sagen: "Sowohl das Fehlen von Glasobjekten in Lt D2-zeitlichen Siedlungen als auch der kaum nennenswerte Fundanfall in Lt D2-zeitlichen Grabkomplexen sind Indizien dafür, dass dem chronologische Ursachen zugrunde liegen. Geht man davon aus, dass die hier behandelten Perlen in den Oppidia hergestellt wurden, die fast alle mit dem Ende von Lt D1 abbrechen, so scheint das plötzliche Ende der Keltischen Glasproduktion leicht erklärbar." - Das Ende der Oppidia bedeutete auch den Niedergang der keltischen Glaskunst.
Viele Glasobjekte dürften somit Altstücke (wie die obigen polychromen) sein bzw. es wurden nur noch Glasperlen einfacher Art mit bescheidenen Mitteln hergestellt. Die Abbildungen der einfachen Perlen sind allesamt nur als Typen gezeichnet, Bilder gibt es keine. Dass auf diese Perlen kaum Bezug genommen wird, begründet sich derzeit darin, dass Perlen dieser Art zu jeder Zeitstellung auftreten (können) und für Datierungen sehr schwer bis gar nicht zu verwerten sind.
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