StartseitePerlen bis 5. Jh. n. Chr.Vorrömische EisenzeitAllgemeines

Dieser Artikel bietet einen zusammenfassenden Überblick über die drei folgenden Themenbereiche:

- Die Glasperlen der Hallstatttzeit Ha C bis Ha A 1-3
darunter:
- Ringaugenperlen
- Glasperlen mit Zickzackzier
- Schichtaugenperlen

sowie:
-
Die Glasperlen der Mittel- bis Spätlatènezeit (Stufen Lt C und Lt D Formen)
-
Werkstätten

Die Glasperlen der Hallstattzeit

Ha C bis Ha A 1-3
Neben vielen einfachen Perlen ohne Verzierung von sehr unterschiedlicher Größe unterscheidet man zwischen Glasperlen mit Ringfadenauflage und Glasperlen mit Zickzackzier, sowie Schichtaugenperlen.

Ringaugenperlen

Chronologie
Die ersten Vertreter dieser Perlen treten zur Ha C auf. Die zuerst einfachen Ringaugenperlen werden durch reicher verzierte Ringaugenperlen mit konzentrischen Ringen zur Ha D zurückgedrängt. Diese reicher verzierten Perlen mit Ringaugenmuster werden dann von den Perlen mit Zickzackzier verdrängt.

Erscheinungsbild

Die Ringaugenperlen sind zu unterscheiden von den späteren, sehr viel zahlreicheren und weiter verbreiteten Perlen mit Schichtaugen, die seit der Wende von der Hallstatt- zur Latène-Zeit auftreten.
Bei den Schichtaugenperlen werden Glaspunkte aufeinander gesetzt und ggf. eingeschmolzen; bei den Ringaugenperlen hingegen werden Glasfäden kreisförmig aufgelegt. Als dritte Gruppe wären die Compound-Eye-Beads (stabförmige vorgefertigte Augen; der Stab in kleine Scheiben geschnitten, die auf- bzw. eingeschmolzen werden, auch als Millefiori-Einlage bezeichnet).

Verbreitung

Dieser Perlentyp steht weit hinter den Perlen mit Zickzackdekor (s. u.) zurück. Die Verbreitung kann dennoch als gesamteuropäisch bezeichnet werden. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass dies auch durch die lokalen Begräbnissitten, als auch durch den unterschiedlichen Stand der Ausgrabungen und entsprechenden Veröffentlichungen verzerrt sein kann.

Verzierungsformen
Unterschieden wird bei Ringaugenperlen zwischen:
Den Hauptgruppen
- Ringaugenperlen mit meist drei nebeneinander gereihten Ringen
- Ringaugenperlen mit mehreren Gruppen konzentrischer Ringe

und Varianten
- Perlen mit konzentrischen Ringen, Zickzack (und gelegentlich Punkten)
- Perlen mit konzentrischen Ringen und Punkten (oder kleinen Kreisringen)
- Perlen mit konzentrischen Ringen, Kreisring(en) um die Durchlochung (und gelegentlich Punkten)

sowie nach der Farbe
- Perlen dunkler Grundfarbe (aus Fritte) mit konzentrischen Ringen
- Perlen blauer Grundfarbe mit konzentrischen Ringen
- Perlen grünlicher Grundfarbe mit konzentrischen Ringen
- Perlen unbekannter Grundfarbe mit konzentrischen Ringen

und weiteren Formen
- Doppelkonische und spinnwirtelförmige Perlen mit Zickzackbändern und umlaufenden ringförmigen Einlagen
- Kugelige Perlen mit Zickzackbändern und umlaufenden ringförmigen Einlagen
- Dreikantperlen
- Vierkantperlen und sternförmige Perlen
- Längliche "Fibelbügelperlen" mit Farbkombinationen

Die meisten der Ringaugenperlen sind von blauer Grundfarbe mit weißen Ringaugen, gefolgt von gelben Ringaugen. Andere Farbkombinationen sind seltener. Meist handelt es sich um Einzelstücke.

Glasperlen mit Zickzackzier

Chronologie
Zu den typischen Vertretern der Glasperlen der Hallstattzeit (hauptsächlich der Phase Ha D1, 650 bis 550 v. Chr.) zählen Glasperlen mit Zickzackverzierung. Eine nähere zeitliche Gliederung dieser Perlen ist nicht möglich, da sie breit gestreut und auch kombiniert mit anderen Perlentypen auftreten. Für Deutschland tritt dieser Perlentyp von der Periode Ha C bis in die Latène-Zeit auf.

Erscheinungsbild
Bei diesen Perlen wird auf eine Grundperle von abgeflachter bis kugeliger Form - ohne dass sich bestimmte Varianten eingrenzen lassen - ein sich von der Grundfarbe abhebender Glasfaden eingeschmolzen.

Verbreitung
Diese Perlenart ist in ganz Europa verbreitet.

Farbspektrum
Vorherrschend sind Perlen von blauer Grundfarbe mit weißer Fadeneinlage, gefolgt von blauen Perlen mit gelber Fadeneinlage, wobei diese bereits in ihrer Zahl beträchtlich geringer sind. Hiernach folgen transluzende grüne Perlen mit weißen und gelben Einlagen. Viel seltener sind braune Perlen mit gelber oder weißer Einlage (hauptsächliches Vorkommen im ost- und südeuropäischen Raum). Schwarze Perlen mit gelber Einlage kommen hauptsächlich in Slowenien vor.

Schichtaugenperlen

Erscheinungsbild
Bei diesem Perlentyp werden auf eine Grundperle schichtweise ein oder mehrere Tropfen farblich verschiedenen Glases aufgesetzt. Diese Glastropfen ergeben die Augenschichten und können in die Oberfläche eingeschmolzen werden oder auch hervorstehend sein. Die hervorstehenden Augen werden als Hörner, Noppen oder Buckel bezeichnet. Im Volksmund neuerdings auch als Pokemonperle angesprochen, da sie schon sehr bunt sein können und man das Gefühl hat, von den Augen betrachtet zu werden, die Noppen wirken wie Haare... ich weiß nicht, wer darauf kam...aber ernsthaft: Dies entspricht der Theorie, dass die Schichtaugenperlen sich aus Gesichtsperlen entwickelt haben.

Chronologie
Der Fundhorizont von Schichtaugenperlen reicht von der Endhallstattzeit bis zur Frühlatène, wobei die Hauptzeit die Frühlatène ist und sie nur noch selten in der Lt B vorkommen. In "Glasperlen der vorrömischen Eisenzeit IV" von Karin Kunter (1995) konnten 920 Schichtaugenperlen aus Mitteleuropa (Polen, Böhmen, Mähren, Slowakei, Österreich, Deutschland) aufgenommen werden. Dies sind nur 6-7% der Studie. Auch wenn dies nicht nach vielen Perlen klingt, kann aufgrund der Vielfältigkeit der eisenzeitlichen Schichtaugenperlen kaum ein Typenkatalog erstellt werden, da dieses begrenzte Mittel die Vielfältigkeit dieses Perlentyps nicht wiedergeben kann. Die Beschreibung nur mit Worten ist schwer verständlich und oft verwirrend, daher werde ich die Schichtaugenperlen in der Galerie mit der Fundbeschreibung versehen, wenn diese mir vorliegt.
Auch wenn die Zusammenfassung für diesen sehr auffälligen Perlentyp sehr kurz ausfällt, sprechen die Bilder für sich.

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Glasperlen der Mittel- bis Spätlatènezeit

Stufen Latène C und Latène D Formen
Es wird zwischen kugeligen und ringförmigen Perlen verschiedener Größe unterschieden. Wenn ich die Bilder eingestellt habe, verdeutlicht das am Besten den Unterschied.

Erscheinung
Unterschieden wird in der Mittel- bis Spätlatènezeit zwischen einfarbigen, radial gebänderten Perlen, Perlen mit Zickzackzier, mit Augenzier oder mit konzentrischer Fadenauflage und Spiralfadenauflage. Dazu kommen die Perlen mit Punktaugenzier, dreigliederige Perlen, Fingerringe und Einzelstücke, die sich nicht kategorisieren lassen, als auch Glasschieber. Die Schieber unterteilen sich in lange, rechteckige und quadratische Schieber aus meist blauem Glas mit Linienauflage oder aufgesetzten Glaskügelchen. Zu guter Letzt gehören zu den Funden auch kleine Glaskugeln und Spielsteine.

Farbspektrum
- Klares Glas: Bei Ringperlen mit gelber Folie scheint das Glas klar und farblos; bei Perlen ohne Folie hat das Glas einen purpurnen, grünen oder gelblichen Farbton
- Weißes Glas: Es wurde hauptsächlich als Fadenauflage gebraucht
- Gelbes Glas: Es ist stets opak und von untergeordneter Bedeutung
- Grünes Glas: Es ist immer transluzid und auf wenige Nuancen beschränkt
- Blaues Glas: Das meist dunkelblaue Glas hat nur wenig Farbnuancen. Die kleinen Perlen erscheinen heller, was jedoch an der geringen Stärke der Perlen liegt
- Purpurnes Glas: Es ist zum einen dunkel-transluzid, zum anderen intensiv gefärbt und erscheint wie Schwarz
- Braunes Glas: Es erscheint in den Tönen von honigbraun bis dunkelbraun.

Auch hier muss man anmerken, dass die mannigfaltigen Farbnuancen durch zufällige oder beabsichtigte Veränderungen in den Glasmischungen bei der Glasproduktion entstehen.

Chronologie
Latène C1
In der Stufe Lt C1 gibt es nur wenige Funde, das Typenspektrum ist sehr begrenzt. Zu den wenigen Funden gehören einfarbige, blaue Perlen und Perlen mit Zickzackzier. Es treten erstmals Ringperlen aus klarem Glas auf. Spiralaugenperlen kommen kaum vor. Zu dieser Zeit scheinen Perlen in der Tracht keine wesentliche Rolle gespielt zu haben, aber auch dieses Bild kann durch Begräbnissitten beeinträchtigt sein.

Latène C2
In dieser Stufe erscheinen eine große Zahl unterschiedlicher, neuer Glasperlentypen, wie auch sonstige Glasobjekte. Charakteristisch für diese Zeit sind Ringperlen aus klarem Glas mit gelber Folie. Weitere Ringperlen sind vertreten in den Farben Blau, Grün und Gelb, selten in Braun oder Purpur. Mit wenigen Funden sind radial verzierte Perlen vertreten. Eher typisch sind Ringperlen mit Zickzackzier, ebenso wie Spiralaugenperlen und kugelige, ringförmige und sehr kleine Perlen aus blauem grünem, klarem und weißem Glas. Auch die Glasschieber fallen in diese Zeit.

Latène D1
In dieser Stufe gibt es wiederum neue Typen. Es sind mit Schraubenfäden, Gittermuster und Sprenkeln verzierte Perlen. Sehr stark vertreten sind Ringperlen aus klarem und grünem Glas. Weiterhin vertreten sind Perlen aus klarem, weißem, grünem und blauen Glas (ringförmig, kugelig). Braune Perlen bzw. Ringperlen kommen auch vor, jedoch keine Perlen mehr von gelber Grundfarbe.

Latène D2
In dieser Zeitstufe sind bislang nur Perlen und Ringperlen aus braunen und blauem Glas zu verzeichnen. Das fehlen von Glasobjekten am Ende der Stufe Lt D2 sowohl in Siedlungen als auch in Gräbern, was mit dem Ende der Oppidia einhergeht. Dies scheint ein Indikator dafür zu sein, dass diese Perlen in den Oppidia hergestellt worden sind!

Zur Trachtweise
Die verschiedenen Stufen zeichnen sich durch verschiedene Perlenstile aus. Lange Ketten sind für die Mittel- und Spätlatène nachgewiesen, charakteristisch sind sie jedoch für die Stufe Lt C2. Kurze Ketten sind typisch für die Stufen LtC bis Lt D.

Die langen Ketten hatten zwischen 60 und 370 Glasperlen, die aus Glasschiebern, kleinen Perlen, Spiralaugenperlen, Zickzackperlen, oft mit Bernstein kombiniert, bestanden. Die kurzen Ketten hatten 3 bis 10 Perlen, wobei auch Einzelperlen als Glasschmuck verwendet wurden. Als Armband wurden Perlen in Maching, Steinbichl Grab 18 mit 19 blaue und vier gelbe Perlen verwendet.
Auch wurden einzelne Perlen auf Bronzearmbänder aufgezogen. Das Aussehen dieser Ketten ist schwer zu beschreiben. In den Galerie finden sich entsprechende Replike. (oder Replikate).

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Werkstätten

Es gibt keinen eindeutigen Nachweis hallstattlicher und latènezeitlicher Werkstätten. Selbst die vielfältigen Funde in Manching und Bernlassen lassen keinen einwandfreien Rückschluss auf eine Werkstatt zu, auch wenn das sehr wahrscheinlich ist. Werkstatt- und Werkzeugfunde stehen bedauerlicherweise aus. Ein einwandfreier Rückschluss ist somit nicht möglich. Die Vermutungen basieren letztendlich auf der Fundkonzentration von Glasobjekten.

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