StartseitePerlen ab 5. Jh. n. Chr.Skandinavien - WikingerWie wurden Perlen getragen?

Birka zählt zu den bekanntesten Siedlungen und Begräbnisstätten der Wikingerzeit.

Von den über 1000 Bestattungen enthielten ca. 300 Glasperlen. Die ungestörten Körpergräber hiervon geben Aufschluß über die Verwendung und Trageweisen der Glasperlen.

Die Grabpläne besagter Körpergräber geben verschiedene Interpretationsmöglichkeiten zur Verwendung von Glasperlen.

Die folgenden
BEISPIELE sind nur ein kurzer Überblick, eine umfassende Übersicht gibt es in "Wie trägst DU denn deine Perlen?“ (Torben, Christin Barthelmie; Torben Barthelmie 2017).

 

Das Buch ist nun wieder erhältlich. Information hier

 

Ergänzend bietet sich an „Wer, Wie, Was, Wo? Die Regionalen Unterschiede der Glasperlenmoder der Wikingerzeit“ (ja, wieder ich, 2014)

- als Halsketten (weiter)

- als sonstiger Zierrat (weiter)

 

Halsketten


Glasperlen als Halsketten zählen zu den unbestrittenen Trageweisen von Glasperlen auf Birka. Anhand der Beigaben in den Gräbern ist diese Trageweise einfach zu bestimmen da die Perlen sich in der Halsregion finden.

Die Halsketten auf Birka wurden ein- oder mehrreihig getragen, sie konnten durch Anhänger erweitert werden, sie waren kurz, lang...

und wurden in 28 von 132 Körpergräbern mit Glasperlen


51 Perlen sind direkt unterhalb des Schädels eingezeichnet, somit handelt es sich um eine Halskette.

Birka Grab 570


Quelle: http://mis.historiska.se/mis/sok/sok.asp

Das Skelett ist bis auf die Zähne (der nach oben offene Halbkreis) vollständig vergangen.
49 Glasperlen sind unter den Zähnen kreisförmig eingezeichnet (A). Der Grabplan zeigt somit das die Glasperlen auf Höhe des Halses als Kette angetroffen wurden.

Es liegen desweiteren 56 kleine grüne Glasperlen als "Haufen" in Höhe des Knies (B). Diese können eine Beigabe sein, eine Taschenverzierung oder ein Tascheinhalt. Da die genau Fundanordnung dieses Teilfundes nicht dokumentiert wurde ist kein Urteil über die letztendliche Verwendung möglich.

Birka Grab 642


Quelle: http://mis.historiska.se/mis/sok/sok.asp


29 Glasperlen liegen kreisförmig im Bereich des Halses bis in die Mitte der Schalenfibeln eingezeichnet. Die obere Kante des Kreises reicht an die Kinnspitze. Dies stellt eine Halskette dar, und so werden die Perlen auch in Birka I bezeichnet.

Birka Grab 843a


Quelle: http://mis.historiska.se/mis/sok/sok.asp

Glasperlen, die als Halsketten getragen wurden finden sich in den Gräbern

463, 543, 550, 570, 573, 597, 606, 642, 649, 756, 770, 77, 797, 825, 838, 843A, 843B, 887, 893, 946, 948, 961, 965, 966, 968, 973, 983 und 1146



Glasperlenkette zwischen den Ovalfibeln

Als Fibelketten werden Ketten bezeichnet die zwischen paarig getragenen Gewandfibeln getraten werden.
Die hier vorgestellten Ketten sind aus Glasperlen zusammen gestellt, aber auch die Verwendung von Metallketten ist bekannt.

Bildliche Überlieferungen aus der Zeit der Wikinger lassen allgemein keine Glasperlen erkennen.
Die Verwendung ist jedoch durch die Beigabensitte in 16 Gräbern deutlich zu erkennen (Grab Nr. 464, 513, 515, 552, 637, 639, 660, 703, 739, 835, 860b, 954, 959, 1012, 1062 und 1081).

Dies sieht dann wie folgt aus:

Das Skelett ist fast vollständig vergangen, die Beigaben sind jedoch einwandfrei zu erkennen:

Ein paar Schalenspangen liegt leicht versetzt auf dem Brustkorb, dazwischen liegt in Richtung Kopf verschoben eine große gleicharmige Spange. 33 Glasperlen sind oberhalb dieser Spange eingezeichnet, die Reihe von Perlen endet mittig an beiden Schalenspangen. Die Perlenkette wurde, wahrscheinlich während der Bestattung selber, durch das Gewicht der gleicharmigen Spange verschoben. Anders können sich die Perlen nicht in diese Lage gestreut haben. Dazu findet sich in Grab 637 eine identische Verteilung.

Birka Grab 552


Quelle: http://mis.historiska.se/mis/sok/sok.asp

Greta Arwidsson schrieb 1989 "Man hat häufig angenommen, das die Perlenketten eine Verbindung zwischen den beiden ovalen Spangen waren. Einen sicheren Beleg für diesen Gebrauch kann ich nicht finden " (Birka II:3, Systematische Analyse der Gräberfunde, Ed. Greta Arwidsson, Uddevalla, Schweden, S. 59). Dieser Satz kann eigentlich nur als fehlerhafte Bezeichnung aus dem Schwedischen ins Deutsche von einer dritten Person bezeichnet werden. Wieso sollte Frau Arwidsson eine Tragevariante vor stellen, wenn sie im gleichen Zuge dieses Modell negiert? Wahrscheinlicher ist, das sie das Material zur Befestigung vermisst. Ausführlich habe ich mich hierzu in meinem Buch "Wie trägst Du denn deine Perlen?" geäussert, für die HP sollen die Folgenden Beispiele das Modell der Fibelkette verdeutlichen.


Mehr als 20 Glasperlen sind in ein bis zwei Reihen unterhalb der Ovalfibeln an deren unteren Spitzen endend eingezeichnet. Beide Spangen haben dazu je ein Loch an der Innenseite durch das die Perlenkette befestigt werden konnte.
In diesem Grab ware es dazu nicht nur eine Reihe von Glasperlen die die Verbdingungskette bildeten, sondern mindestens zwei. Leider liegt kein Grabungsfoto vor um nähere Aussagen über die Gestaltung der Perlenketten zu geben.

Birka Grab 1062


Quelle: http://mis.historiska.se/mis/sok/sok.asp

Das Grab ist nur leicht gestört, der Kopf liegt auf dem rechten Unterarm, der ein Stück vom Oberarm entfernt liegt. Die Schalenfibeln liegen beidseits des Brustkorbs auf Höhe der Oberarmmitte. Ein "Perlenhalsband" (gem. Birka I) aus 17 Perlen ist im Plan von der Mitte der rechten Schalenfibel zum unteren Ende der linken Schalenfibel eingezeichnet. Keine Halskette kann bei einer Störung des Grabes in diese Lage verschleppt werden. Anstelle einer Halskette handelt es sich unzweifelhaft um eine Fibelkette. Dazu hat die Perlenreihe am Ende einen Bronzeöse mit aufgerollten Enden, mit der sie an einer der Fibelnadeln befestigt werden kann. Diese Zuordnung trifft auch G. Arwiddson, in dem sie dieses Perlenensemble ihrem Modell C - den Fibelketten - zuordnet (Birka II:3 S. 50) - Ja, auch wenn G. Arwidsson sagt, das sie keine Nachweise finden kann, entscheidet sie sich dennoch für diese Trageweise!

Birka Grab 959


Quelle: Birka I; Die Gräber, Tafeln, ed. Holger Arbman, Kungl.Vitterhets Historie och Antikvitets Akademien Stockholm, 288 Seiten

Glasperlen als Zierrat

Glasperlen können auch als "Zierrat" verwendet werden.
Man kann sie auf Bänder ziehen, als Verschlüsse benutzen, als Kopfschmuck verwenden, für Taschen- oder Saumbesätze...

Dies Kategorie ist am schwersten zu interpretieren, daher zeige ich in dieser Kategorie einige beispielhafte Funde auf, in denen eine Verwendung als Hals- oder Fibelkette ausgeschlossen ist und demnach es sich bei der Lage der Perlen nur um "Zierrat" handeln kann. Die letztendliche Funktion / Verwendung ist damit nicht immer nachgewiesen, aber sehr wahrscheinlich.

Glasperlen als Haarschmuck


eine freie Interpretation


29 Perlen liegen in einer Reihe links unterhalb der Zähne beginnend bis mittig zwischen zwei Ovalspangen endend.
Keine gerissene Halskette würde sich in so einer exakten Linie verteilen, ebenso keine Fibelkette.

Diese Linie aus Schmuck gleicht eher einem Saum als einer Kette.

Birka Grab 606


Quelle: http://mis.historiska.se/mis/sok/sok.asp


Die Schalenspangen liegen wie erwartet beiderseits mittig auf der Brust. 55 Glasperlen liegen in 2 parallelen Reihen mittig zwischen den Schalenspangen. Die Stränge führen unter einer am unteren Rand der linken Schalenspange liegenden gleicharmigen Spange hinweg. Die Glasperlen bilden zweifellos Stränge, aber es ist nicht zu klären, woran diese befestigt gewesen sind. Wenn die gleicharmige Fibel ein Gewand verschlossen hat, wovon auszugehen ist, dann können die parallelen Linien auch einen beidseitig, doppelt bestickten Saum darstellen.

Birka Grab 551


Quelle: http://mis.historiska.se/mis/sok/sok.asp


Das Sklett ist vollkommen vergangen. 53 Perlen liegen in 3 Ringen um einen Messergriff auf Hüfthöhe. Die Anordnung scheint zu genau, als das es eine auf dem Körper abgelegte Perlenkette sein könnte. Eher scheint es eine Art von Bestickung, vielleicht einer Tasche, gewesen zu sein.

Birka Grab 970


Quelle: http://mis.historiska.se/mis/sok/sok.asp


Das Skelett ist vollständig vergangen; 66 Glasperlen liegen in 2 Reihen mittig rechts und links der runden Spange; links verlaufen die Reihen ein Stück auf die gleicharmige Spange zu, rechts enden sie auf der ovalen Spange. Gemäß G. Arwidsson war dies eine zweireihige Fibelkette. Anhand des Grabplanes ist diese Verwendung jedoch nicht zu begründen. Eher waren es 4 Stränge die an der runden Spange befestigt gewesen sind, und von denen je 2 links und rechts ausgelegt wurden. Vorstellbar wäre aber auch hier die Bestickung eines Gewandsaumes.

Birka Grab 1131


Quelle: http://mis.historiska.se/mis/sok/sok.asp

Am Kopfende des Grabes ist im Grabplan eine Reihe von 19 Perlen sowie östlich davon, rings um die Schalenspangen weiträumig verstreut, 194 Perlen, eingezeichnet. Am Fußende finden sich 65 weitere Perlen.
Auch wenn die Grabpläne nicht dreidimensional erstellt wurden, die 194 Perlen bildeten wahrscheinlich eine Stickarbeit, z.B. auf einem Umhang. Keine zerrissene Perlenkette würde so weiträumig streuen, ins Grab "geworfene" Perlen würden nicht so kreisförmig streuen.

Die 19 Perlen könnten z.B. ein Stirnband, Mützenbesatz oder Haarschmuck gewesen sein. Die Perlen dürften so wie sie im Grabplan eingezeichnet sind keine Kette jedweder Art gebildet haben.

Die letzte Gruppe von 65 Perlen ist als Beigabe zu interpretieren, ein Tasche mit einer Stickarbeit bei den Füßen ist eher unwahrscheinlich.

Birka Grab 526


Quelle: http://mis.historiska.se/mis/sok/sok.asp


Eine Perle findet sich direkt über dem Messer, vielleicht diente sie zu dessen Befestigung oder als Zierrat.
Die genau Verwendung bleibt unbestimmt, nur der direkte Zusammenhang mit dem Messer ist gesichert.

Birka Grab 766


Quelle: http://mis.historiska.se/mis/sok/sok.asp

@ Torben Barthelmie, 2003 - 2017