StartseiteIt´s me

Glasperlenrepliken und durch die Neuzeit bedingte Kompromisse



Abweichungen zu den Originalen sind bedingt durch das mir zur Verfügung stehende Arbeitsmaterial und die Qualität der Arbeitsvorlage.



Arbeitsmaterial
1000°C heißes Glas: Es ist unmöglich dieses Material zu wiegen oder schneiden.
Viele Perlen messe ich während der Fertigung um so genau wie möglich die Größe des Originals zu treffen. Abweichungen sind dabei dennoch nicht zu vermeiden. Dazu ist der von mir gewählte Lochdurchmesser meist ein modernes Standardmaß und er ist nicht wie bei vielen Originalen konisch.

Farbe des Glases: Mir stehen etwa 250 Glasfarben zur Verfügung. Dies ist nur ein Bruchteil im verglichen mit den Originalen. Beispiel: Ich verwende 10 verschiedene Grüntöne. Jedoch wurden in Liebenau in Niedersachsen 78 verschiedene Grüntöne gefunden.

Arbeitsvorlagen
Dies sind die Originale und deren Archäologische Dokumentationen.

Die Originale aus Glas können sich in einem Zeitraum von mehr als 1000 Jahr mehr oder weniger vollständig zersetzen. Bei solchen Perlen kann man den Urzustand nur vermuten da der Originalzustand nicht mehr herstellbar ist.

Die Dokumentation geschieht durch Wort, Tuschezeichnung und viel zu selten Fotografien.

Wenige Worte können nicht ausreichen um eine aussagekräftige Dokumentation der Funde zu garantieren.
Beispiele: sehr kleine Perle, erbsenförmig, Hellgelb; Perle von normaler Größe, Fleischrot mit weißen Schlingen.
Dies zeigt bereits den Interpretationsspielraum da nur der Verfasser sich der Bedeutung seiner Worte sicher sein kann. Dazu werden eindeutige Größenangaben vernachlässigt, einheitliche Farbtafeln werden erst seit wenigen Jahren verwendet.

Eine Zeichnung mag unbefangen von künstlerischerer Freiheit sein, aber die archäologische Dokumentationstradition verzichtet vor allem bei Glasperlen auf mehrere Perspektiven. Die gezeichnete Ansicht beschränkt sich meist auf eine Seite der Perle. Dies geschieht zufällig oder nach Wahl des Zeichnenden.
Erschwerend hat jeder Zeichner seinen eigenen Stil und eine Handzeichnung bei Glasperlen wird daher immer unweigerlich eine Idealisierung sein und kaum die tatsächlichen Musterverläufe der einzelnen Muster und die Gesamtheit der Perle wiedergeben können.

Im Rahmen dieser Einschränkungen fertige ich jedoch jede einzelne Perle nach bestem Wissen und Gewissen.

PS: Diesen Text bitte ich nicht als Kritik an der Archäologischen Vorgehensweise aufzufassen. Für die Zwecke der Archäologie sind die zur Dokumentation genutzten Mittel ausreichend. Nur setzen sie meiner Arbeit Grenzen, deren Herkunft ich erklären wollte.